• Celina

Die Sache mit dem Bauchgefühl

Aktualisiert: 25. Feb 2018

Im Alltag verlieren wir oftmals die Gabe unserem Bauchgefühl zu lauschen. Ein Plädoyer dafür, sich im Umgang mit dem Pferd, aber auch in vielen anderen Situationen, einfach mal intuitiv leiten zu lassen...


In diesem Artikel über Leadership habe ich bereits geschrieben, dass ich versuche bei der Ausbildung von Fabula mehr auf mein Bauchgefühl zu hören. Als Fohlen habe ich ihr spielerisch beigebracht sich das Halfter anziehen zu lassen oder beim Putzen still zu stehen. Damals war es auch mehr eine Notwendigkeit als ein klar überlegtes Trainingskonzept, da Fabu auf Mallorca relativ wild aufwächst und somit zu jederzeit die Möglichkeit hatte einfach wegzugehen. Mittlerweile verfolge ich nun bei jeder Trainingseinheit konkrete Ziele. Spaß machen soll es aber immer noch! Und hier habe ich zum Beispiel gemerkt, dass Fabu deutlich lieber mitarbeitet, wenn sie frei ist.


Gelassenheitstraining

So auch beim Gelassenheitstraining mit einer Plane vor wenigen Wochen. Bereits als ich die Plane das erste Mal ausbreitete, stand Fabu neugierig neben mir und erkundete das komische blaue Ding. Eigentlich war der Plan, dass ich sie darüber führe. Doch da sie sich so unerschreckt zeigte und super neugierig war, änderte ich meine Meinung und wollte, dass sie frei mit mir gemeinsam darüber geht. Es klappte ohne Probleme. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass ich die Plane ruhig ganz ausbreiten und Fabu von der anderen Seite aus rufen kann. Eine große Veränderung zum vorherigen Szenario! Mir war bewusst, dass es nicht klappen könnte oder dass ich Fabu damit womöglich beibringe um die Plane herum statt darüber zu mir zu kommen.


Doch auch hier, absolut kein Thema für Fabu! Normalerweise versuche ich alles in viele kleine Schritte runter zu brechen um sie nicht zu überfordern und für uns beide kleine Erfolgserlebnisse einzubauen. In diesem Fall bedeutete auf mein Bauchgefühl zu hören aber den Mut zu haben auch mal Trainingsschritte auszulassen. Warum an etwas arbeiten, das für das Pferd offensichtlich kein Thema ist? Sicherlich spielt hier auch Fabu's Charakter eine große Rolle. Bei einem anderen Pferd hätte das gleiche Training sicher ganz anders ausgesehen. Wer weiß, ob ich die Plane da am ersten Tag überhaupt komplett ausgebreitet hätte.


Was genau ist überhaupt das Bauchgefühl?

Das Bauch­gefühl speist sich aus dem Langzeitgedächtnis und bedient sich der Summe bisheriger Erfahrungen. Es ist eine innere Stimme, ein Teil unseres Wesens, der wächst und sich verändert.

Intuition ist ein gefühltes Wissen, das plötzlich ins Bewusstsein gelangt, dessen tiefe Gründe man selbst nicht kennt und das dennoch stark genug ist, uns zum Handeln zu bewegen. (Gigerenzer 2015)

Was, wenn mein Bauchgefühl falsch ist?

Das Bauchgefühl selbst täuscht uns nie. Nur die Art wie wir es interpretieren kann zu vorschnellen und nicht gerechtfertigten Urteilen führen. Oder wenn wir es leugnen weil es aktuell nicht in unsere Vorstellung zu passen scheint. Wenn wir uns dessen bewusst sind, so können wir aber lernen damit umzugehen. Auf sein Bauchgefühl hören zu lernen ist ein Prozess. Für mich selbst als recht verkopfter Mensch funktioniert es momentan am besten, wenn ich meine Bauchentscheidungen mithilfe von Logik nochmals überprüfe.


Was braucht mein Pferd heute?

Mein Bauchgefühl hilft mir Situationen besser einzuschätzen und Entscheidungen zu treffen, die individueller auf mein Pferd zugeschnitten sind. Je mehr Zeit ich am Stall mit den Pferden verbringe, umso leichter fällt es mir zu beurteilen wie sie heute drauf sind und was geht und was nicht. Ein Punkt, bei dem ich auf jeden Fall noch lernen muss mein Bauchgefühl nicht zu ignorieren, ist die Länge der einzelnen Trainingseinheiten. Es macht einfach zu viel Spaß mit Fabu zu arbeiten! Wenn sie möchte, kann sie sehr eifrig und lehrbegierig sein und man merkt ihr nur schwer an, wenn sie überfordert ist. Doch hier muss ich mich immer wieder daran erinnern genügend Pausen einzulegen, da sie noch sehr jung ist. Wir haben alle Zeit der Welt!

Es fällt mir deutlich leichter auf mein Bauchgefühl zu hören, wenn ich mich unbeobachtet fühle. Irgendwie ist immer noch sehr in meinem Kopf verankert dass gewisse Dinge eben nach einem bestimmten Prinzip gemacht werden und es ist gar nicht so einfach sich davon loszureißen. Vor allem dann, wenn das was man ausprobieren möchte entgegen wissenschaftlicher Erkenntnisse oder dem gutgemeinten Rat erfahrenerer Trainer ist. Natürlich, man sollte immer die Konsequenzen abwägen und sich gut überlegen warum man welchen Weg einschlägt. Aber ist nicht alles, was zum Ziel führt ohne dem Pferd oder sich selbst Schaden zuzufügen und Raum lässt um individuell auf das Pferd einzugehen, richtig? Und man hat sogar noch mehr Spaß, weil man sich kreativ austoben kann! Wer legt denn fest, was richtig oder falsch ist?


Referenzen:

Gigerenzer, G. (2015) Bauchentscheidungen: Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition. C. Bertelsmann Verlag.

Wilde, J. und Wilde, U. (2016) Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt: Der Schlüssel für gute Gefühle und Erfolge mit Pferden. Books on Demand.

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