• Celina

Leadership - Was verstehe ich darunter?

Aktualisiert: 25. Feb 2018

Begriffe wie Führungspersönlichkeit, Herdenchef oder Dominanz spielen eine große Rolle im Pferdetraining. Im Rahmen meines Studiums habe ich mich damit auseinandergesetzt was Leadership für mich bedeutet und herausgefunden, dass mein Verständnis davon zum Großteil durch meine bisherigen Erfahrungen mit unterschiedlichen Pferdetypen geprägt wird.

In meinen Kontakten mit der Arbeitswelt und insbesondere innerhalb der Unternehmen habe ich nicht wirklich nennenswerte Führungsstile durchlaufen. Aber dann wurde mir klar, dass ich jeden Tag über Leadership reflektiere, Rückschritte erleide und Weiterentwicklungen erlebe. Was mein Denken prägt, ist meine Arbeit mit Pferden und als Reitlehrer. Auf der einen Seite muss ich Führungsqualitäten zeigen, wenn es um die Handhabung und Ausbildung der Pferde geht. Auf der anderen Seite geht es im Reitunterricht darum, diese Erkenntnisse an meine Schüler weiterzugeben.

Pferde sind entweder gute Führungspersönlichkeiten oder gute Anhänger. Als Fluchttiere sind sie auf ihre soziale Struktur der Herde angewiesen und müssen einander blindlings vertrauen um in der Wildnis zu überleben. Der Herdenführer ist immer derjenige mit den besten Fähigkeiten, der sich das Privileg verdient hat die anderen Pferde zu führen. Wenn ich als Mensch möchte, dass mir das Pferd folgt, muss ich dieses Vertrauen ebenfalls erarbeiten. Im Gegensatz zu Menschen sind Pferde weder von Statussymbolen oder Titeln beeindruckt. Stattdessen reagieren sie ehrlich auf das Hier und Jetzt. Ich glaube, man kann ein Pferd nicht täuschen, sie nehmen und verstehen dich so wie du bist.

Mein Pferd ist mein Spiegel, der meine schlechte und gute Laune unverfälscht wiedergibt. Sieh hinein in die Augen Deines Pferdes, aber erschrecke nicht über die Wahrheit. (Bent Branderup)

Laut Mackey und Sisodia ist es ebendiese Authentizität, die eine gute und bewusste Führungspersönlichkeit ausmacht. Es ist wichtig zu wissen, wer man ist und was das Ziel ist. Und wirklich, die Arbeit mit Pferden ist für mich eher eine Arbeit an mir selbst. Durch direktes Feedback von Seiten des Pferdes kann ich mein eigenes Verhalten und meine Botschaften besser reflektieren. Folglich weiß ich im Idealfall nicht nur was ich aussende, sondern kann dies auch sinnvoll einsetzen um mein Gegenüber bestmöglich zu fördern und zu unterstützen.


Das habe ich vor allem durch Bandolera, mein erstes eigenes Pferd, gelernt. Sie war ein unsicheres und ängstliches Pferd, immer bereit zu fliehen. Umso wichtiger war es, dass ich mir über meine Energielevel, meine Emotionen und meine Körpersprache bewusst war. Ich musste ruhig und vorausschauend sein, um ihr Bedürfnis nach Sicherheit und Schutz zu erfüllen und ihr zu zeigen, dass sie sich auf mich verlassen kann. Sobald ich ihr Vertrauen gewonnen hatte, war sie der beste Partner und hätte alles für mich getan - sich immer vergewissernd, dass ich die Situation auch wirklich als unbedenklich einschätze.


Ganz anders hingegen ist es mit Fabula! Trotz ihres jungen Alters ist sie sehr selbstbewusst und mutig. Sicherheit ist eigentlich kein Thema für sie. Vielmehr hat sie sehr klare Vorstellungen davon was sie machen möchte und was nicht, sodass es uns manchmal schwer fällt auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Den Hilfen zuzuhören stellt eine große Herausforderung für sie dar. Während unserer Zusammenarbeit musste ich verstehen, dass es nicht darum geht sie zu beherrschen, sondern darum meine Ideen zu ihren Ideen zu machen. Natürlich ist Gehorsam der Sicherheit willen wichtig, aber ich wünsche mir dennoch ein Pferd, das seine eigenen Gedanken mit einbringen darf und gerne mitdenkt.

Ich will kein Pferd, das mir bedinungslos folgt, sondern ein Pferd, welches mir instinktiv sagt, wann es mich für inkompetent hält. (Sylvia Czarnecki auf motionclick.de)

Mehr als jedes andere Pferd hat Fabula mich dazu gebracht darüber nachzudenken was genau Leadership für mich bedeutet und wie ich durch ihre Augen gesehen werden möchte. Meine momentane Strategie ist es meinem Bauchgefühl zu vertrauen, was zu wirklich inspirierenden Momenten geführt hat und mein Verständnis von Dominanz sehr verändert hat. Zum Beispiel arbeite ich sehr viel frei mit ihr. Ich finde wichtig, dass sie entscheiden kann ob sie mitarbeiten möchte oder nicht, vor allem da sie erst in ein paar Wochen drei Jahre alt wird. So ist es meine Aufgabe, das Programm so interessant zu gestalten, dass sie auch Interesse daran hat! Und alles andere kommt dann (hoffentlich) ganz automatisch...


Meiner Meinung nach zeigen diese beiden Beispiele sehr gut, wie unterschiedlich ein jedes Pferd ist. Daher erscheint es nur logisch, dass der Umgang mit jedem Einzelnen einen individuellen Ansatz erfordert. Und das geht über das Einstellen auf das jeweilige Pferd hinaus. Auch tagesabhängige Schwankungen und Stimmungen sind einzubeziehen. Leadership heißt für mich all dies zu berücksichtigen und zu entscheiden welche Methoden oder Strategien in einer bestimmten Situation zum Wohle beider am besten anzuwenden sind.

Führen hat mit Leichtigkeit zu tun, fast wie ein Tanz. (Herdis Hiller auf pferdefluesterei.de)

Wie denkst du über Leadership? Schreib mir deine Meinung, deine Erfahrungen und Tipps in einem Kommentar. Ich freue mich von dir zu hören!


Referenzen:

Mackey, J. und Sisodia, R. (2014) Conscious capitalism: liberating the heroic spirit of business. Harvard Business Review Press.

Western, S. (2013) Leadership: a critical text. Sage Publications Limited.

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