• Christian

Pferdegestütztes Coaching

Heute gibt es einen Gastartikel von meinem Kommilitonen Christian. Wir studieren zusammen Business Management an der Royal Agricultural University in England. Pferdegestütztes Coaching ist ja momentan in aller Munde und ich dachte es wäre mal ganz interessant zu erfahren, wie aus der Perspektive eines zukünftigen Managers darüber gedacht wird.

Was können Manager im Umgang mit Pferden lernen? Helfen Pferde Ihnen vielleicht den Büroalltag zu vergessen und Anspannungen und Ängste abzubauen? Und helfen sie darüber hinaus die eigene Persönlichkeit auszubauen und dadurch die Kommunikation mit den Angestellten oder den Arbeitskollegen effektiver zu gestalten? Dieser Fragestellung werde ich heute nachgehen.

Die besten Manager sind in der Lage, ihre Mitarbeiter davon zu überzeugen über ihre Grenzen hinauszugehen und über den Tellerrand hinauszuschauen. Bei diesem Prozess ist es unausweichlich eine vertrauensvolle und wertschätzende Beziehung zu seinen Arbeitskollegen aufzubauen. Hierbei stehen Führungskräfte vor großen Herausforderungen, da diese immer wieder mit unterschiedlichen Persönlichkeiten, Einstellungen und Interessen zusammenarbeiten. Verschiede Wissenschaftler sprechen hierbei von einem interkulturellen Führungsstil, bei welchem jedes Individuum idealerweise dieselbe Wertschätzung erfährt. Gleichzeitig passt sich der Manager an die unterschiedlichen Persönlichkeiten im Team an. Hierdurch entsteht ein interaktives Team, in welchem jeder voneinander lernen und sich dadurch verbessern kann. Dies führt am Ende zum erfolgreichen Zusammenarbeit innerhalb des Teams sowie zur Bewältigung aller langgesteckten Ziele. Bei der Entwicklung einer solchen Persönlichkeit und solcher Charaktereigenschaften ist das Pferdecoaching eine äußerst hilfreiche Unterstützung.


Nun muss ich zugeben, dass ich selbst bisher sehr wenig Kontakt mit und zu Pferden hatte. Woran liegt das und wie komme ich dann dazu, hier einen Blogartikel über Pferde zu verfassen? Fangen wir mit der ersten Frage an. Schon in sehr jungen Jahren habe ich mit dem Fußballspielen angefangen und war dadurch ziemlich ausgelastet. Gleichzeitig war der Kontakt mit Pferden auch in meinem Freundeskreis nicht vertreten, sodass ich nicht den Gedanken hatte, mich mehr mit dem Thema Pferd auseinander zu setzen. Dadurch, dass ich nun im Laufe meines Dual Degree Masters ein Jahr in England studiere und hier das Thema Pferd eine viel größere Bedeutung erfährt, bin auch ich im Laufe der Zeit offener damit umgegangen. Das hat mich schlussendlich auch dazu bewegt, diesen Artikel zu schreiben und mich mehr mit Thema "Pferd" und ihrer positiven Wirkung auf den Führungsstil und das eigene Auftreten auseinander zu setzen.

Bedingt durch mein Auslandsstudium und die Recherche für diesen Artikel bin ich persönlich der Auffassung, dass Unternehmen mehr Zeit und Geld investieren sollten, um ihre Mitarbeiter in der nonverbalen Kommunikation zu schulen. Dabei bietet aus meiner Sicht der Kontakt mit Pferden zwei gravierende Vorteile. Zum einen wirkt die Arbeit mit Pferden als vertrauensbildend, was sich auf die Arbeit im Berufsalltag übertragen kann. Zum anderen spiegeln die Pferde das äußere Erscheinungsbild eines jeden wider, was zur Folge hat, dass sich niemand verstellen kann.

Bei der Interaktion mit Pferden, hilft kein Name, kein beruflicher Stand oder sonstiger sozialer Status. Lediglich die nonverbale Kommunikation ist ausschlaggebend für eine erfolgreiche Beziehung mit dem Pferd. Dieses nonverbale Training hilft Managern ihr Kommunikationsverhalten und ihr Führungsverhalten zu reflektieren und dadurch auszubauen. Hierbei erkennen die Tiere sofort, ob das menschliche Verhalten gespielt ist, oder ob es sich um eine natürliche autoritäre Ausstrahlung handelt. Pferde spiegeln durch ihre sensible Art das menschliche Verhalten wider, was Managern helfen kann ihren Führungsstil zu erkennen und sich den dabei auftretenden Stärken sowie Schwächen bewusst zu werden. Dadurch lernen Manager ihren Führungsstil unterschiedlichen Personen und Persönlichkeiten anzupassen. Gleichzeitig lernen die Manager ein sicheres Auftreten, sowie einen positiven autoritären Kommunikations- und Führungsstil zu entwickeln, welcher im Arbeitsalltag unausweichlich ist.

Und ganz nebenbei hilft die Arbeit mit den Pferden an der frischen Luft und in einer anderen Umgebung auch den beruflichen Alltag zu vergessen, wodurch Stress und Angstzustände abgebaut werden können. Daraus folgt, dass auch ich persönlich es begrüßen würde, ein solches Coaching, welches definitiv ein wenig speziell ist, wahrzunehmen. Ich bin immer der Auffassung, dass solche Gelegenheiten gerne einmal ausprobiert werden sollten.

Neben den gerade aus meiner Sicht positiv erwähnten Aspekte eines solchen Coachings, stellt sich natürlich die Frage, ob Manager oder Büroangestellte überhaupt Interesse an einer solchen Weiterbildungsmaßnahmen haben. Dabei bin ich zunächst ganz klar der Auffassung, dass nahezu alle Personen, die noch keinen großen Kontakt mit Pferden hatten, eine negative Auffassung gegenüber dieser Methodik vertreten. Dies liegt denke ich aber nicht daran, dass eine negative Neigung gegenüber den Pferden vorhanden ist, sondern eher daran, dass die Komfortzone des Arbeitsumfeldes verlassen wird. Deshalb wäre es aus meiner Sicht ratsam, den ersten Kontakt zu den Pferden über ein Gruppenevent herzustellen. Dies würde den Vorteil bieten, dass neben dem individuellen Coaching der Gruppenzusammenhalt gestärkt und sogar ausgebaut wird. Aufbauend darauf, können dann individuelle Coachings angeboten werden. Allerdings muss ich auch klar unterstreichen, dass diese Fortbildung in der Arbeitszeit absolviert werden sollten, da dieses Angebot sonst von den Mitarbeitern wahrscheinlich weniger nachgefragt wird. Grundsätzlich denke ich aber, dass ein solches Fortbildungsprogramm nach einer ersten Überwindung der Arbeitnehmer sehr positiv wahrgenommen und sich auch langfristig positiv auf die Unternehmenszahlen auswirken wird.


Aus meiner bisherigen beruflichen Erfahrung in der Wirtschaftswelt kann ich sagen, dass ein Pferdecoaching sich deutlich von den „normalen“ Coaching Methoden unterscheidet. Was nicht nur daran liegt, dass pferdegestütztes Coaching außerhalb der Büroräume stattfinden, sondern auch hauptsächlich daran, dass gesteigerte Interaktivität vorzufinden ist. Findet bei gewöhnlichen Fortbildungsmaßnahmen doch eher ein Vortrag statt, ist der Fortzubildende bei einem Pferdecoaching doch viel aktiver. Dies bietet aus meiner Sicht ganz klar den Vorteil, dass man sich persönlich viel schneller weiterbildet, gleichzeitig reflektiert und schlussendlich mögliche Fehler in seinem Führungsstil aufdeckt. Genau dieser Aspekt ist aus meiner Sicht ausschlaggebend dafür, dass pferdegestütztes Coaching deutlich erfolgsversprechender ist, als Vorträge über das Verbessern seiner nonverbalen Kommunikation. 

Somit lässt sich abschließend zusammenfassen, dass die Arbeit mit Pferden auch für das Berufsleben sehr hilfreich sein kann und es sich durchaus lohnt auch mal über den Tellerrand hinauszublicken. Das nonverbale Verhalten wird ausgebaut und der Führungsstil verbessert. Gleichzeitig wird ein Verständnis für unterschiedliche Charaktereigenschaften entwickelt, welches in der heutigen globalisierten Wirtschaft von großer Bedeutung ist.

Referenzen:

Friesenhahn, D. (2015) Die Wirkung von Pferden im Coaching. Coaching Magazin. [Online] Greiffenhagen, S. und Buck-Werner, O. (2011). Tiere als Therapie. Kynos Verlag.

Großbongardt, A. (2010) Was Manager von Pferden lernen können. T-Online. [Online]

Hollinger, T. (2014) Führungskräftetraining mit Pferden. Können Menschen von Tieren lernen? Igel Verlag.

Jackson, B. und Parry, K. (2011) A very short, fairly interesting and reasonably cheap book about Leadership. SAGE publications Ltd.

Julius, H., Beetz, A., Kotrschal, K., Tuner, D. und Uvnäs-Moberg, K. (2014) Bindung zu Tieren. Hogrefe.

Lowe, K. (2004) Encyclopedia of Leadership. SAGE Publications Ltd. Yell, G. (2013) What trends are affecting today ́s leaders? The Guardian. [Online]

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