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Die 5 Pferdetypen in der TCM: Der Milztyp

Aktualisiert: 22. Apr 2018

Duende, der PRE-Hengst meiner Mutter, war ein typischer Milztyp: gemütlich und unerschrocken. Er ist und bleibt unvergessen! Eigentlich wollte sie ja einen Rappen... Aber als sie Duende als 3-jährigen Hengst gemeinsam mit einer Horde Isländer in einer Messehalle probegeritten ist und er sich völlig unbeeindruckt zeigte, war die Entscheidung klar!


Herzlich willkommen bei meiner Reihe über die fünf Pferdetypen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)! Die Fünf-Elemente-Lehre der TCM bietet eine Grundlage um Pferde hinsichtlich ihres Charakters und Körperbaus zu typisieren liefert somit Ansätze für artgerechten Umgang und Training. Eine kurze Einführung in die Theorie hinter den fünf Pferdetypen habe ich im ersten Teil dieser Reihe geschrieben - Die 5 Pferdetypen der TCM: Individuelles Pferdetraining.


Der Milztyp

Laut der Lehre der TCM regelt die Milz die Verarbeitung aller Umwelteinflüsse und wirkt auf das Zusammenspiel aller Funktionskreise harmonisierend. Entsprechend zeichnen sich dem Milztyp zugehörige Tiere durch ihren ruhigen und ausgeglichenen, zum Teil auch etwas phlegmatischen, Charakter aus. Optisch sind Milztypen kompakt und rund, haben einen kräftigen Körperbau, eine breite Brust und einen ausgeprägten Hals. Die Unterlippe ist häufig locker und hängt etwas runter.

Milztypen können zudem zu Übergewicht neigen. Ihre Verfressenheit spiegelt sich auch im Herdenverhalten wider. So sind diese Typen zwar sehr sozialverträglich, aber können sich vor allem wenn es um Futter geht, auch ranghoch zeigen. Bindegewebe und Muskulatur sind von weicher Konsistenz, weshalb Ödeme an den Beinen nicht selten sind. Diese verschwinden jedoch bei Bewegung wieder. Um Übergewicht zu vermeiden und die schwache Muskulatur zu unterstützen, ist es ratsam die Pferde in einem stetigen, aber nicht zu harten Trainingsprogramm zu halten. Milztypen sind vor allem zu Beginn der Trainingseinheit sehr faul, aber werden fleißiger je länger sie laufen.


Da im Milztyp stehende Pferde Ruhe und Sicherheit ausstrahlen, eignen sie sich besonders für Kinder und Anfänger. Auch Duende war ein toller Lehrmeister, der sehr gut auf seine unerfahrenen Reiter Acht gegeben hat.

Gleichzeitig verzeihen sie ihrem Reiter immer seine Fehler und sind bereit, mit ihm die Lektion auch geduldig wieder und wieder zu üben, bis er sie gelernt hat. (Fritz 2017)

Konsequenzen für den Umgang

Milztypen sind gemütliche Tiere, dabei jedoch keinesfalls dumm. Auch bei Duende stand Energie sparen an erster Stelle! Es sei denn, er hat sich über die anderen Pferde geärgert. Dann konnte er ganz schön aufdrehen und zeigen was er hat!


Beim Erlernen von neuen Aufgaben benötigen Milztypen etwas mehr Zeit, worauf unbedingt Rücksicht genommen werden muss. Wurde dann die Aufgabe jedoch verinnerlicht, so lässt sie sich einfach und sicher jederzeit abrufen.


Wichtig ist es, Strategien zu finden, die den Milztyp motivieren. Vor allem wenn die Pferde nur in der Halle oder auf dem Platz geritten werden, beginnen sie sich zu langweilen und stumpfen ab. Grobe Reiterhilfen als Reaktion auf die Faulheit des Milztypen führen zu mehr Triebigkeit sowie muskulärer Verspannung und sind unbedingt zu vermeiden.


Es ist vielmehr essentiell die Bewegungsfreude und Sensibilität des Milztypen von Beginn an zu fördern oder wiederherzustellen. Duende beispielsweise wurde flotter und motivierter durch Lösephasen im Trab am langen Zügel oder Galopp im leichten Sitz. Generell bietet es sich an, viel Variation einzubauen. Auch liebte Duende Cavalettiarbeit oder kleine Sprünge und war der zuverlässigste Partner im Gelände.


Wenn der Milztyp nicht weiß was als Nächstes kommt, wird es spannender. Fordert man die Pferde geistig vermehrt und bringt Abwechslung in ihr Trainingsprogramm, resultiert dies oftmals in einem verstärkten Vorwärtsdrang. Indem man mit positiver Verstärkung in Form von Futterlob arbeitet, kann man sich die Verfressenheit des Milztypen zunutze machen. Auch gut als Belohnung funktionieren Pausen. Man zeigt dem Pferd dadurch, dass sein Weg ein Ziel hat - Fortbewegung macht somit mehr Sinn.


Schau dir auch meine Beschreibungen zu den vier weiteren Pferdetypen an:

Der dominante Lebertyp

Der sensible Nierentyp

Der explosive Herztyp

Der souveräne Lungentyp


Referenzen:

Cavelius, A.; Cavelius, A. und Wu, L. (2005) Praxisbuch Chinesische Medizin - Im Einklang mit dem Körper durch Akupressur, Massagen, Heilkräuter und richtige Ernährung. Bassermann.

Fritz, C. (2017) Erkenne dein Pferd in den Fünf Elementen. Crystal Verlag.

Gösmeier, I. (2016) Akupressur für Pferde - Wirkung und Anwendung. Kosmos.

Krokowski, C. (2003) Akupunktur und Phytotherapie beim Pferd. Enke Verlag.

Schöffmann, B. (2010) Aufbau des Trainings je nach Pferdetyp. Dressur-Studien 3: 26-31.

Tellington-Jones, L.; Lieberman, R. J. (2007): Tellington Training für Pferde. Franckh-Kosmos Verlag.

Ward, M. (2015) Horse Harmony - Understanding Horse Types and Temperaments ... Are you and your horse a good match? Myriah Press.


Vielen Dank an Diana Hirsch für das Fotoshooting mit mir und Duende!

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