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Die 5 Pferdetypen in der TCM: Der Nierentyp

Aktualisiert: 7. Juni 2018

Bandolera, mein erstes eigenes Pferd, war ein Nierentyp! Hätte ich das damals schon gewusst, wären uns bestimmt einige graue Haare erspart geblieben... Nicht, dass es bei ihr als Schimmel schlimm wäre ;)

Herzlich willkommen bei meiner Reihe über die fünf Pferdetypen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)!

Die Fünf-Elemente-Lehre der TCM bietet eine Grundlage um Pferde hinsichtlich ihres Charakters und Körperbaus zu typisieren liefert somit Ansätze für artgerechten Umgang und Training. Eine kurze Einführung in die Theorie hinter den fünf Pferdetypen habe ich im ersten Teil dieser Reihe geschrieben - Die 5 Pferdetypen der TCM: Individuelles Pferdetraining.


Der Nierentyp

Charakteristisch für Pferde im Nieren- oder Wassertyp sind hohe Sensitivität und Ängstlichkeit, aber auch Lerneifer. Auf Veränderungen in der gewohnten Umgebung sowie neue Stimuli reagiert er mit Flucht. Dabei achtet er weder auf sich noch auf seine Umgebung. Aufgrund seiner Unsicherheit nimmt er auch in der Herde einen niedrigen Rang ein und wird manchmal gejagt oder ausgestoßen. Nierentypen haben passend zu ihrem zierlichen Körperbau und dünnen Behang ein helles Wiehern. Sie haben oftmals einen schmalen, langen Kopf mit einem feinen Gesicht und auffälligen Ohren.

Vor allem im Herbst und im Winter frieren sie vermehrt und neigen zu Skelett- oder Atemwegsproblemen. Wenn der Nierentyp aber sowohl physisch als auch emotional verstanden und entsprechend gefordert wird, so blüht er auf, zeigt sich mit großer Raffinesse und kann ein gutes Sportpferd werden. Hat dieser Typ einmal Vertrauen in seinen Menschen gefasst, so baut er eine enge Bindung auf. Bandolera zum Beispiel hat mich schon recht früh mit leichtem Brummeln begrüßt und als sie dann bei mir in Berlin lebte jeden Tag mit einem Wiehern!


Konsequenzen für den täglichen Umgang

Aufgrund seiner Unsicherheit und Ängstlichkeit ist es für den Nierentyp von großer Bedeutung einen geduldigen und beständigen Trainer zu haben, bei welchem sein Bedürfnis nach Sicherheit und Schutz befriedigt wird. Kann man dies bieten, so hat man in dem Nierentypen einen treuen Freund, der gerne mitarbeitet und viel gibt. Ich erinnere mich noch genau wie stolz ich war, als Bandolera bereits an den ersten Tagen nach ihrer Ankunft in Berlin mit mir recht entspannt spazieren gegangen ist! Und auch daran, als sie sich am zweiten Tag neben mich auf den Boden legte, aber darüber habe ich hier schon einmal berichtet. Was für ein Vertrauensbeweis!


Gerät der Nierentyp jedoch aus dem Gleichgewicht, so ist seine Fluchtreaktion stärker ausgeprägt als bei anderen Typen. Hier bietet es sich an, dem Pferd in Angstsituationen eine ihm bekannte Aufgabe zu geben, um seine Angst mit etwas Positivem zu ersetzen. Dies erfordert jedoch etwas Übung für beide Seiten, da die Konzentrations- und Lernfähigkeit unter Angst und Stress verringert ist. Auch ich musste wirklich lernen mich durch Bandolera's Schreckhaftigkeit nicht aus dem Konzept bringen zu lassen - gar nicht so einfach. Für die Angst lässt sich aber immer ein Grund finden! Und genau hier kann man dann ansetzen und in einer ruhigeren Gelegenheit daran arbeiten, beispielsweise mittels Desensibilisierungstraining.

Ängstliche Wasser-Pferde lassen sich durch Gelassenheitstraining mit Planen gut trainieren. Das erfordert zwar Zeit und Geduld, erzeugt aber auch Selbstsicherheit. (Fritz 2017)

Auch bietet es sich an, die Ausbildung in Anwesenheit eines erfahreneren, ruhigeren Pferdes zu gestalten. Vor allem in Bezug auf die Konfrontation mit neuen Stimuli oder in unbekanntem Gelände ist dies von Vorteil. Bandolera war von Anfang an recht fixiert auf eine Araberstute in ihrer Herde. Das hat im gemeinsamen Training durchaus geholfen, hat aber auch seine Schwierigkeiten mit sich gebracht, wenn die beiden mal etwas ohne den anderen machen sollten.


Neue Lektionen lernt der Nierentyp sehr schnell, bringt diese dann jedoch aufgrund seines Willens zu Gefallen und seines Übereifers häufig durcheinander. Da Bando während ihrer Krankheitsphase Boxenruhe hatte, habe ich versucht sie mit kleinen Tricks bei Laune zu halten. Es war unglaublich, wie schnell sie die gelernt hat! Allerdings hat sie diese dann quasi abgespult, wenn sie sich unsicher fühlte, ganz nach dem Motto: "irgendwas hiervon wird schon richtig sein" - dabei hatte ich noch nichtmals eine Hilfe gegeben. Übereifer beruht zumeist auf kommunikativen Missverständnissen, sodass Geduld, Beständigkeit und häufiges Wiederholen der Lektionen hier entscheidend sind, um Gelerntes zu festigen. Auch viel Lob hilft dabei, das Selbstbewusstsein des Nierentyps zu stärken. Ich denke auch, dass Strategien, die langfristig das Gleichgewicht des Pferdes verbessern und dem Pferd dadurch ein neues, sichereres Körpergefühl vermitteln, nützlich sind. Pferde, die wenig Balance haben, haben das Gefühl im Notfall nicht mehr fliehen zu können. Jene, die sich im Gleichgewicht befinden, reagieren auch in Stress-Situationen gelassener. Hier bietet sich zum Beispiel der Einsatz von Tellington-Körperbandagen oder Balance-Pads an.


Für mich war Bandolera als Nierentyp ein absolutes Traumpferd. Sie hat mich an meine Grenzen gebracht, aber sie hat mir auch unglaublich viel Loyalität und Treue bewiesen!


Schau dir auch meine Beschreibungen zu den vier weiteren Pferdetypen an:

Der dominante Lebertyp

Der gemütliche Milztyp

Der explosive Herztyp

Der souveräne Lungentyp


Lesetipps: Balance-Pads und Körperbänder fürs Pferd


Referenzen:

Denzin, K. (2010) Die Pferdepsyche einordnen. Interview by Maren Jonasdowsky. Dressur-Studien 3: 24-25.

Fritz, C. (2017) Erkenne dein Pferd in den Fünf Elementen. Crystal Verlag.

Gösmeier, I. (2016) Akupressur für Pferde - Wirkung und Anwendung. Kosmos.

Krokowski, C. (2003) Akupunktur und Phytotherapie beim Pferd. Enke Verlag.

Tellington-Jones, L.; Lieberman, R. J. (2007): Tellington Training für Pferde. Franckh-Kosmos Verlag.

Ward, M. (2015) Horse Harmony - Understanding Horse Types and Temperaments ... Are you and your horse a good match? Myriah Press.

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