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So lernen Pferde: Begriffe des zeitgemäßen Pferdetrainings

Aktualisiert: 25. Feb 2018

Was ist noch mal der Unterschied zwischen positiver und negativer Verstärkung? Und was versteht man unter Konditionierung? Kenntnis über grundlegende Prinzipien der Lerntheorie ist die Basis von artgerechtem Pferdetraining.

Unter Lernen versteht man die Veränderung eines Verhaltens aufgrund von Erfahrung. Durch die korrekte Anwendung von Lerntheorie, die auf einem Verständnis des natürlichen Pferdeverhaltens basiert, kann unerwünschtes Verhalten reduziert und ein möglichst stressfreier Umgang mit dem Partner Pferd ermöglicht werden.


Gewöhnung oder Habituation

Zu einer der einfachsten Formen des Lernens gehört die Gewöhnung, auch bezeichnet als Habituation. Hier bewirkt die wiederholte Auseinandersetzung mit demselben Reiz, welcher weder mit positiven noch mit negativen Konsequenzen verbunden ist, eine Abnahme der Reaktionsstärke. Es handelt sich jedoch nicht um eine Ermüdungsreaktion des Körpers, sondern um eine spezifische Erhöhung der Reizschwelle. Diese Methode macht man sich zum Beispiel beim Gelassenheitstraining zunutze.


Sensibilisierung

Als das Gegenteil der Gewöhnung wird die Sensibilisierung betrachtet. Hier lernt das Pferd auf einen bisher bedeutungslosen Reiz verstärkt zu reagieren.


Konditionierung

Während Gewöhnung und Sensibilisierung zum nicht-assoziativen Lernen zählen, gehört die Konditionierung zum assoziativen Lernen. Das bedeutet, dass sowohl bei der klassischen, als auch der operanten Konditionierung ein zuvor neutraler Stimulus mit einem Reiz und einer physiologischen Antwort verlinkt wird.


Klassische Konditionierung

Bei der klassischen Konditionierung wird ein neues Signal mit einer dem Pferd vertrauten Aktion gekoppelt.


Operante oder Instrumentelle Konditionierung

Eine bedeutendere Rolle in der Pferdeausbildung spielt jedoch die operante oder instrumentelle Konditionierung, wobei die Reihenfolge von Verhalten und Reiz umgekehrt zur klassischen Konditionierung ist. Das Pferd löst den Reiz durch ein bestimmtes Verhalten selbst aus, es lernt durch Versuch und Irrtum indem es aktiv nach einer Lösung sucht. Beim operanten Konditionieren sorgen Verstärker für eine häufigere und Strafen für eine geringere Auftretenswahrscheinlichkeit des Verhaltens. Die in diesem Zusammenhang verwendeten Begriffe positiv und negativ sind rein im mathematischen Sinn zu verstehen: positiv steht für hinzufügen und negativ für wegnehmen.


Positive vs. negative Verstärkung

Folglich wird bei positiver Verstärkung ein Reiz, beispielsweise Futter oder Streicheleinheiten, hinzugefügt und bei negativer Verstärkung ein Reiz, beispielsweise Druck, entfernt. Das Ziel ist in beiden Fällen ein gewünschtes Verhalten häufiger zu erhalten. Entscheidend ist in beiden Fällen das richtige Timing.


Positive vs. negative Bestrafung

Bei der positiven Bestrafung handelt es sich um die Anwendung eines aversiven Stimulus, zum Beispiel einen Schlag mit der Gerte, nachdem ein unerwünschtes Verhalten gezeigt wurde. Negative Bestrafung ist entsprechend die Wegnahme eines angenehmen Reizes nach dem Auftreten von unerwünschtem Verhalten. Da die Bestrafung erst nach dem Verhalten, und somit retrospektiv eingesetzt wird, hat das Pferd keine Kontrolle mehr über die Situation. Auch im Hinblick auf das Tierwohl ist die Methode der Bestrafung als äußerst kritisch einzuordnen.


Erfolgreiches Training

Entscheidend für den Lernerfolg ist die Motivation; ohne sie wird weder eine bereits gelernte Lektion gezeigt, noch eine neue erlernt. Die Motivation ist abhängig von diversen exogenen Faktoren, beispielsweise Futterbelohnungen oder Stimulation durch Artgenossen, als auch endogenen Faktoren, wie hormonelle Abläufe oder physiologische Vorgänge. Auch die Auswirkung von Stimmung oder Einstellung des Tieres ist nicht zu vernachlässigen und kann sich je nach Tagesform anders äußern. Unsere Aufgabe als Trainer ist es, die Motive unserer Pferde herauszufinden und die Motivation im Laufe der Ausbildung zu erhalten und zu fördern. Angst oder Panik können zu einer völligen Lernblockade führen, während Lob sich fördernd auf die Motivation und somit den Lernerfolg auswirkt. Auch die Lernatmosphäre, insbesondere Dauer und Häufigkeit der Trainingseinheiten, wirken sich auf die Motivation aus. Pferden fällt es umso leichter zu lernen, je mehr Lektionen sie bereits erlernt haben. Sie sind demnach in der Lage, Lernen zu lernen. Daher ist es sinnvoll beim Training in logischen und aufeinander aufbauenden Schritten zu arbeiten.


Was bedeutet das für meinen Trainingsalltag?

Ich denke es ist wichtig sich der unterschiedlichen Methoden bewusst zu sein, über sein Training zu reflektieren und Entscheidungen so zu treffen, dass man den Lernprozess für das Pferd so einfach wie möglich gestaltet. Was bei dem einen Pferd klappt, funktioniert beim Nächsten noch lange nicht. Die innerhalb der Branche am häufigsten verwendete Methode beim Pferdetraining ist eine Kombination aus negativer und positiver Verstärkung. Auch meine Art mit Pferden zu trainieren lässt sich grundsätzlich hier einordnen. Ich habe jedoch gemerkt, dass für Fabu Freiwilligkeit eine große Rolle spielt. Beim Einsatz negativer Verstärkung baue ich Druck auf. Dieser unangenehmen Situation versucht das Pferd zu entgehen, indem es die gewünschte Reaktion zeigt; die Belohnung erfolgt dann durch die Wegnahme des Drucks. Bei positiver Verstärkung hingegen ist das Pferd gefordert sich aktiv selbst einzubringen. Ich glaube, diese Option wird Fabu’s Charakter eher gerecht. Auf Druck reagiert sie oft ärgerlich, während sie bei positiver Verstärkung recht kreativ nach den Lösungen sucht. Sie muss dennoch lernen zukünftig auch besser mit Druck umzugehen. Dabei versuche ich unseren gemeinsamen Weg für Fabu so fair und verständlich wie möglich zu gestalten.


Lesetipp: Wie Pferde lernen von Marlitt Wendt


Schreib doch mal in die Kommentare welche Methoden du bei deinem Pferd anwendest! Hast du einen Trainingsplan oder entscheidest du eher nach Gefühl wie und woran du arbeiten willst?


Referenzen:

Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. (2014) Pferde verstehen - Umgang und Bodenarbeit. FNverlag.

Hockenhull, J. und Creighton, E. (2013) Training horses - Positive reinforcement, positive punishment, and ridden behavior problems. J. Vet. Behav. 8(4): 245-252.

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Kaltwasser, K. (2013) Der Weg zum Pferdeflüsterer. Müller Rüschlikon Verlag.

McBride, S. D. und Mills, D. S. (2012) Psychological Factors Affecting Equine Performance. BMC Veterinary Research 8: 180.

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Waran, N.; McGreevy, P. und Casey, R.A. (2002) Training methods and horse welfare. In: Waran, N. (Hrsg.) : The Welfare of Horses, pp. 151–180. Kluwer Academic Publishers.

Zeitler-Feicht, M. H. (2001) Handbuch Pferdeverhalten - Ursache, Therapie und Prophylaxe von Problemverhalten. Eugen Ulmer GmbH & Co.

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