• Celina

Verladetraining - Teil 1

Dunkel, eng, versperrter Fluchtweg - So ähnlich sehen wohl die Gedanken unserer Tiere aus wenn sie einen Pferdehänger ansehen. Da Fabula irgendwann zu mir nach Deutschland reisen wird, ist mir wichtig, sie möglichst früh und stressfrei mit dem Hänger vertraut zu machen.


Ein paar Gedanken vorweg

In Studien zum Einsatz von negativer vs. positiver Verstärkung beim Verladen zeigte sich, dass Pferde, die mittels positiver Verstärkung trainiert wurden weniger Anzeichen von Unbehagen und Stress aufwiesen als Pferde, die durch negative Verstärkung trainiert wurden. Auch führte das Training mittels positiver Verstärkung schneller zum gewünschten Resultat. Vor allem für ein Trainingsumfeld, in dem neue Stimuli wie der Pferdehänger zu einer potentiell angstauslösenden Situation führen, ist eine geringere Stressreaktion vorteilhaft, da ein motiviertes und ruhiges Pferd weniger wahrscheinlich eine gefährliche Situation schafft.


Falls du noch einmal genau nachlesen möchtest, was der Unterschied zwischen positiver und negativer Verstärkung ist, dann schau mal bei diesem Artikel über das Lernverhalten von Pferden vorbei.


Ich versuche grundsätzlich mit möglichst wenig Druck zu arbeiten. Dennoch, auch wenn ich viel lieber am lockeren Strick neben Fabu her gehe und mich darüber freue, dass sie auf kleinste Änderungen meiner Körpersprache reagiert, so ist es für den Pferde-Menschen-Alltag dennoch wichtig, dass Fabu auch mit direktem Druck, z.B. am Halfter, umzugehen weiß. Halfterführigkeit ist meiner Meinung nach eine der Grundvoraussetzungen für Hängertraining. So kann ich für den Fall, dass Fabu, aufgrund von Stress oder abgelenkt von neuen Stimuli wie den Pferdehänger, nicht auf meine Körpersprache achtet dennoch Vorwärts, Rückwärts und Stop ziemlich akkurat abrufen und unser beider Sicherheit gewährleisten. Es geht dabei nicht darum, sie durch den Einsatz von Druck auf den Hänger zu bewegen, sondern im Falle einer gefährlichen Situation ein Pferd zu haben, welches kontrollierbar ist und auf Hilfen reagiert. Je mehr ich mit Fabu arbeite und je mehr Vertrauen wir ineinander haben, desto weniger werde ich darauf zurückgreifen müssen. Positive Verstärkung in Form von Futterlob funktioniert bei Fabu nämlich sehr gut, für Futter macht sie fast alles. Allerdings muss ich auch darauf achten, dass das Futter vor lauter Gier nicht ihre ganze Aufmerksamkeit beherrscht und sich keine Frustration aufbaut, wenn das Futterlob nicht schnell genug kommt. Beim Hänger war mir jedoch erst einmal wichtig, dass sie etwas Positives damit verknüpft - und was könnte da besser herhalten als ein Eimer mit Futter?


Vorbereitung

Um zu sehen, wie Fabu auf neue Untergründe reagiert, habe ich einige Tage vor dem Verladetraining mit ihr geübt über eine Plastikplane zugehen, sowohl vorwärts als auch rückwärts, und auch darauf anzuhalten. Das ist gleichzeitig auch ein tolles Gelassenheitstraining! Hier könnt ihr nochmal nachlesen wie genau ich das gemacht habe. Auch das Hinauf- und Hinuntersteigen von einer Art Podest haben wir geübt. Beides verlief ohne Probleme, sodass mein Gefühl mir sagte wir können uns an den Hänger wagen. Das einzige was ich nicht wusste, war wie Fabu auf Enge reagiert. Sie ist komplett draußen aufgewachsen, stand noch niemals in einer Box.


Durch die Art wie man den Hänger aufstellt und die Situation vorbereitet, kann man dem Pferd helfen, dass diese komische Kiste auf Rädern nicht ganz so gruselig aussieht. So achtete ich darauf, dass der Hänger Richtung Zuhause zeigt. Die Motivation des Pferdes in diese Richtung zu gehen ist größer als vom Stall weg. Auch sollte die Sonne möglichst von hinten kommen und vorne die Tür geöffnet werden, damit der Hänger heller erscheint.


Und das wichtigste: genügend Zeit einplanen und einen möglichst stressfreien Rahmen schaffen!


Kleine Schritte

Eigentlich war mein Plan Fabu den Hänger einfach nur mal zu zeigen. Eventuell mal einen Huf auf die Rampe setzten, aber noch nicht Einsteigen am ersten Tag.

Vorsichtshalber hatte ich aber den Futtereimer bereits drinnen stehen, was Fabu auch ziemlich interessant fand.

Und schon stand sie auch schon mit beiden Vorderbeinen auf der Rampe um an den Eimer zu kommen! Ich war selbst überrascht, damit hatte ich nicht so schnell gerechnet! Nachdem sie dort eine Weile stand, sich neugierig alles ansah und ingesamt recht ruhig wirkte, wollte ich ausprobieren ob sie sich noch weiter hinein traut wenn ich vorgehe. Auch wenn ich das ursprünglich nicht geplant hatte, so zeigte Fabu mir mit ihrem Verhalten, dass sie wahrscheinlich folgen würde.

Wir standen kurz gemeinsam drinnen, sie bekam ihr heißgeliebtes Futter und dann habe ich sie auch schon wieder raus geführt! Das ist für mich der kritischste Part, ich habe schon viele Pferde gesehen, die zwar auf den Hänger gehen, aber dann rückwärts wieder hinausstürmen. Während ich beim Einsteigen den Stick wirklich die ganze Zeit nur locker in der Hand hatte, so nutzte ich nun die zuvor erlernten direkten Signale am Halfter, damit Fabu langsam Schritt für Schritt hinuntergeht. Auch hielt ich zwischendurch an, ließ sie nochmals zwei Tritte in den Hänger hinein machen bevor sie dann endlich ganz von der Rampe steigen durfte.


Dieses Pferd überrascht mich wirklich immer wieder! Ich dachte nicht, dass sie große Angst vor dem Pferdehänger haben würde, aber ich habe auch nicht damit gerechnet, dass sie einfach von selbst darauf steigt. Ich glaube, dass viele Dinge kein großes Thema sind, wenn ich mit meinem Pferd eine Beziehung habe, die auf Vertrauen und Respekt basiert. Da zwischen meinen Besuchen auf Mallorca aber manchmal auch mehrere Monate liegen, habe ich nicht damit gerechnet, dass unsere Beziehung schon so gut ist, dass wir auch neue Situationen relativ stressfrei gemeinsam meistern. Das zeigt wie ich finde einmal mehr, dass es beim Pferdetraining nicht um Quantität, sondern um Qualität geht. Und, dass man ruhig mehr Vertrauen in sein Pferd und die eigene Vorarbeit haben kann!

Am nächsten Tag war Fabu fast zu ungeduldig darauf zu warten, dass die Rampe unten ist! Wie du siehst, steht der Anhänger nun auch an einer anderen Stelle. Bei Pferden, die mehr Schwierigkeiten mit dem Hänger haben, würde ich das nicht so machen. Aber für Fabu war es kein Hindernis, ich konnte sie am durchhängenden Strick darauf führen.


Beide Male hatte Fabu während sie drinnen stand die ganze Zeit Futter zur Verfügung. Das nächste Mal möchte ich schauen, wie sie reagiert wenn sie zwar kurz mit Futter belohnt wird, sich dann jedoch auch mehr mit ihrer Situation auseinander setzen muss ohne durch das Futter zu sehr abgelenkt zu werden. Weitere nächste Schritte wären die Trennwand in die Mitte zu stellen und die hintere Stange einzuhängen.


Fortsetzung folgt...



Referenzen:

Hendriksen, P.; Elmgreen, K. und Ladewig, J. (2011) Research: Trailer-loading of horses: Is there a difference between positive and negative reinforcement concerning effectiveness and stress-related signs? J. Vet. Behav. 6: 261-266.

Yngvesson, J.; de Boussard, E.; Larsson, M. und Lundberg, A. (2016) Loading horses (Equus caballus) onto trailers: Behaviour of horses and horse owners during loading and habituating. Appl. Anim. Behav. Sc. 184: 59-65.

Yorke, A.; Matusiewicz, J. und Padalino, B. (2017) How to Minimise the Incidence of Transport-Related Problem Behaviours in Horses: A Review. J. Eq. Sc. 28(3): 67–75.

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